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Bücher und Blogs
von
Edwin Gräupl

Einmal Lehrer, immer Lehrer!

Im Ruhestand konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, doch noch einige Texte für Interessierte zu schreiben umd in das Internet zu stellen.

Ich gebe zu, dass meine Interessen disparat erscheinen, sie sind es aber nach meiner Überzeugung nicht. Religion, Naturwissenschaft und Science Fiction ergänzen sich gegenseitig wunderbar.


Ritterorden

Seit den Anfängen der Geschichte suchen Menschen Rettung, Sinn und Heil an besonderen Orten der Erhörung und Gnade. Diese universelle Erfahrung der Kulturen hat sich in vielen Traditionen und Kulten manifestiert, sei es die Umwanderung des Keilash, das Bad in der heiligen Mutter Ganga oder die Pilgerfahrt nach Jerusalem. Im Kontext des hohen Mittelalters fühlten sich viele Ritter des Abendlandes verpflichtet, als (notwendig) bewaffnete Pilger das Zentrum der Welt- das Heilige Grab in Jerusalem - aufzusuchen. Diese Pilgerfahrten - oft auch aus menschlicher Schlechtigkeit zu Raubzügen degeneriert - bilden den Ausgangspunkt für eine nun seit mehr als acht Jahrhunderten andauernde Initiative zum rechten christlichen Leben. In den geistlichen Ritterorden der heiligen römischen Kirche, wie etwa dem Ritterorden vom heiligen Grab zu Jerusalem versuchen Frauen und Männer das abendländich - christliche Ideal mit hoher Verpflichtung und Freude zu leben.

Der Ritterorden vom Heiligen Grab hat zwei historische Wurzeln: Einmal das von Gottfried von Bouillon 1099 begründete Domkapitel der Grabeskirche in Jerusalem mit dem Lateinischen Patriarchen an seiner Spitze. Das Kapitel vom Heiligen Grab wurde von weltlichen Rittern unterstützt, bildete jedoch keinen Ritterorden, der etwa den Johannitern vergleichbar gewesen wäre. Mit dem Ende des christlichen Königreichs von Jerusalem erlosch das Lateinische Patriarchat und die Franziskaner vertraten in seiner Nachfolge die päpstliche Autorität im Lande. Es entstand der seit 1333 bezeugte Brauch adeliger Jerusalempilger, sich in der Grabeskirche zum Ritter schlagen zu lassen. 1496 wurde dem Franziskaner-Guardian in Jerusalem vom Papst das Privileg verliehen, daß er und nur er Ritter vom Heiligen Grab ernennen dürfe. Dies ist die zweite Wurzel des Ordens. Papst Pius IX erneuerte 1847 das Lateinische Patriarchat und übertrug dem ersten Patriarchen der Neuzeit wieder das alleinige Recht der Ritterernennung. Seit damals besteht der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem (in seiner Verfassung mehrfach erneuert) als eigenständige juristische Person des Kirchenrechts unter der Oberhoheit des Heiligen Stuhls. In Anknüpfung an die Ursprungstradition sind die Kanoniker des Kapitels der Grabeskirche immer auch Ritter des Ordens. Wenig bekannt ist, daß derzeit nur mehr zwei aktive Ritterorden existieren, die vom Heiligen Stuhl anerkannt sind, nämlich die Grabesritter und die Malteser.

Nexialismus

A.E. van Vogt erfand in seiner SF-Erzählung "The Voyage of the Space Beagle" in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Wissenschaft "Nexialismus". Darunter verstand er die Verknüpfung aller wissenschaftlichen Disziplinen zu einer praktisch anwendbaren Lösungsstrategie für Probleme aller Art. Wenn sich auch die Philosophie traditionell als Universalwissenschaft versteht, so geschieht das üblicherweise immer im Versuch der Erzeugung eines umfassenden Erklärungsrahmens, der sich häufig als "Antwort auf letzte Fragen", nicht aber als anwendbare Technik versteht. Die Naturwissenschaften bieten heute viele "effektive Theorien" an, die jeweils einen bestimmten genau definierten Bereich der Realität mit hoher Genauigkeit (oft mathematisch) beschreiben, die aber über ihren Definitionsbereich hinaus nicht extrapoliert werden dürfen, da sie sonst Unsinn produzieren. Es existiert keine umfassende Synthese dieser Theorien ("Theory of Everything") und schon gar kein Konstruktionsrahmen für Problemlösungen. Der Nexialismus müsste auf der Basis der kaum zusammenhängenden Einzelbilder der Realität, die von den "effektiven Theorien" geliefert werden, für gegebene Handlungsfragen einen Rahmen zur Erzeugung von Handlungsstrategien zur Verfügung stellen. Es geht dabei also nicht um die epistemologische Universaltheorie der Welt, sondern um eine Anleitung, einen Weg zu einem gegebenen Ziel zu finden. Also nicht "Wie sieht die Welt aus?" sondern "Wie gelange ich von hier nach dort?" Der Nexialismus hat also nicht nur das Defizit der fehlenden Universaltheorie zu überwinden, sondern auch eine Strategie zu liefern, die jenseits des "Trial and Error" liegt, gewissermaßen eine "Erfindungswissenschaft", wie sie sich Leibniz erträumt haben könnte.

Der Nexialismus dieses Zeitalters muss pragmatisch entwickelt werden. Bei der Entwicklung und Verwirklichung großer Ziele ist eine beträchtliche Gefahr zu berücksichtigen. Misst man nämlich das Erreichte am wünschenswerten Traumziel, dann ist man nie in der Lage das bereits entwickelte Niveau zu schätzen und zu nutzen. So kann man dann behaupten, der Nexialismus sei ein unerreichbares Phantasieprodukt, allenfalls näherungsweise in Jahrhunderten zu realisieren. Dagegen gibt es aber bereits heute phantastische Möglichkeiten, die man erst einmal gebrauchen muss. Mit den gegenwärtigen Instrumenten des (mobilen) Internets steht bereits jetzt ein Zauberkasten voller hilfreicher Apps zur Verfügung. Die Schulen unseres Zeitalters haben bisher diese Wundertüte nicht entdeckt, ihre Nutzung ist den “Nerds” überlassen. Wie auch immer, wer kann, der kann! Und das auch schon heute!

Science

Zur Physik

In meiner Studienzeit an der Universität Innsbruck gab es für kurze Zeit ein Diskussionsform (sieben Jahre vor 1968!) darüber, wie weit Theologie eine Wissenschaft sei. Dabei wurde im wesentlichen (vom Mathematiker und Freidenker Wolfgang Gröbner gegen den berühmteren katholischen Theologen Karl Rahner) damit argumentiert, dass Theologie auf Axiomen aufbaue, die geglaubt werden müssten, während die Naturwissenschaft voraussetzungsfrei wäre. Ich (obwohl oder besser weil ich Physikstudent war) brachte damals das Argument ein, dass der Naturwissenschaftler beim „Schluss“ vom vergangenen Experiment auf die künftige Anwendung ebenfalls auf seinen Glauben angewiesen wäre. Ich habe meine Meinung seit damals in diesem Punkt nicht geändert. Nach meiner Überzeugung ist ohne das Fundament gewisser Grundannahmen nichts möglich, sei es in der Naturwissenschaft oder sogar in der Mathematik. Ich habe das in meinem Buch Grundlagen und Grenzen der Physik dargelegt. Ich glaube, dass das zwar dem „working scientist“ sehr egal sein wird, dem Lehrer der Naturwissenschaften darf es aber nicht gleichgültig sein. Physik im Bildungskanon muss mehr bieten können als Rechenrezepte. Es geht hier nicht darum, die großartigen Erfolge der Naturwissenschaft Physik klein zureden, sondern ein Wort für die intellektuelle Redlichkeit einzulegen. Auch die Wissenschaft Physik ist von Menschen entwickelt worden und damit den Begrenzungen der menschlichen Natur unterworfen. Allen Physikern möchte ich dringend empfehlen, sich der Vorläufigkeit und Gefährdung ihrer Ergebnisse klar bewusst zu sein. Hochmut ist nicht angebracht. Um mit den Worten aus dem Canto LXXXI von Ezra Pound zu sprechen: „Pull down thy vanity, I say pull down“

Zur Mathematik

Tatsächlich beruht, ob man das nun wahrhaben will oder nicht, alle mathematische Pädagogik .. . auf einer Philosophie der Mathematik (Rene Thom, zitiert nach: Mathematiker über die Mathematik, Springer 1974, pag 5).

In meinem Buch Mensch und Mathematik habe ich das Wesen der Mathematik philosophisch so dargestellt, dass für den mathematischen Unterricht daraus Folgerungen gezogen werden können. In der ausgeführten philosophischen Position wird man Einflüsse des Wiener Kreises, Ludwig Wittgensteins und der zeitgenössischen angelsächsischen Philosophie bemerken.

Phantasie - Science - Fiction

Die Bücher der Science Fiction werden von der deutschen Literaturkritik meist nicht wahrgenommen, sie fallen unter den Begriff „Trivialliteratur“ und werden „nicht einmal ignoriert“. Lediglich wenn Autoren, die sich bereits literarische Anerkennung durch konventionell angepasste Schriften erworben haben, „Zukunftsromane“ schreiben, blättert ein Großkritiker das dann einmal kopfschüttelnd durch. Franz Werfels letzter Roman „Stern der Ungeborenen“ fällt in diese Kategorie. Tatsächlich erfuhr er nie die Wertschätzung, die dieses Werk verdient hätte. In Welten im Traum versuche ich zu zeigen, dass man aus Büchern dieser Art erstaunliche Einsichten in die Welt der Religion gewinnen kann. Ich wünschte mir sehr, dass auch Theologen das erfahren könnten. Bisher leben sie ja im verqueren Abseits ihrer dogmatischen Vergötzung eines naiven Realismus, den sie Entmythologisierung nennen. Gerade die radikale Offenheit des Denkens - wie sie in guten SF-Romanen gepflegt wird - kann den Nebel eingefahrener Schablonen aufreissen und das Leben so erhellen wie eine Pilgerfahrt!